Living sponsorship: Claude Beffort travels to his godchildren

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Selten hatte ich mich so auf eine Reise gefreut.

Seit meinem siebten Lebensjahr habe ich von der Schwedagon Pagode getrĂ€umt, und mehr als 50 Jahre spĂ€ter hatte ich mich wĂ€hrend meiner ersten Myanmar  Reise endgĂŒltig in dieses Land und seine Bewohner vernarrt. Nun, vier Jahre spĂ€ter, freute ich mich aber vor allem auf meine erste Begegnung mit den 3 Patenkindern die ich seit meinem ersten Aufenthalt unterstĂŒtze.

Die Strapazen des Fluges waren vergessen als mich bei meiner Ankunft in Mandalay die beiden Kinder aus Mingun mit Kyaw Kyaw am Flughafen abholten. Hla Ya Min wirkte fast etwas erschrocken als sie mich sah, ihr kleiner Bruder Phyo Khant war aber sofort sehr zutraulich, so als wÀren wir schon ewig gute Freunde und wisch alsdann nicht mehr von meiner Seite.

Mit dem Pickup brachten mich die Kinder dann in mein Hotel in Mandalay sodass ich gleich in das typisch birmanische Ambiente eintauchen konnte. Schon auf der LadeflĂ€che des Pickups hatte Phyo Kant die Tax Free TĂŒte aus ZĂŒrich erspĂ€ht, wartete aber geduldig bis ich ihn ermunterte mal rein zu schauen. Seitdem weiss ich: auch birmanische Kinder mögen Schokolade.

Am nĂ€chsten Tag holte mich Kyaw Kyaw in der FrĂŒh im Hotel ab und mit der FĂ€hre setzten wir ĂŒber nach Mingun. Das Treiben auf dem Fluss war ruhiger als ich es noch von vor vier Jahren in Erinnerung hatte, vor allem fehlten mir die Teakholzflösse die damals den Ayerawaddy beherrschten.

In Mingun war ich dann bei den Kindern eingeladen und durfte ihre Eltern kennenlernen. Nach einer Besichtigung des Dorfes gab es dann ein von der Mutter mit viel Liebe zubereitetes Mittagessen. Zu meiner Erleichterung nahm die ganze Familie und auch Kyaw Kyaw aktiv am essen teil so dass es nicht zu dem traditionellen birmanischen Showessen: der Gast isst und der Gastgeber schaut zu kam. DafĂŒr schaute das halbe Dorf uns durch die Fenster beim Essen zu.

Der Nachmittag war einem Besuch des Kindergartens und der Schule gewidmet gefolgt vom Verzehr einer Kokosnuss mit Blick auf die schneeweiße Hsinbyume Pagode. Der Tag verging viel zu schnell.

FĂŒr die nĂ€chsten drei Tage hatte ich die Kinder mit ihren Eltern sowie Kyaw Kyaw mit Frau und Tochter zu einem gemeinsamen dreitĂ€gigen Kurzurlaub eingeladen. Mit einem angemieteten Minibus (mit Fahrer) ging es schon frĂŒh los Richtung Inle See. Kaum angekommen, stiegen wir in ein Boot um den See zu besichtigen. Unser Boot wurde von einem ganzen Schwarm von Möwen verfolgt und wir hatten einen Heidenspaß daran die Vögel zu fĂŒttern. Danach besuchten wir die Phaung Daw U Pagode mit den Sagen umrankten fĂŒnf Buddha Statuen. Auf der RĂŒckfahrt wurden wir dann von der einbrechenden Dunkelheit ĂŒberrascht und als dann dem Boot auch noch das Benzin ausging wurde es eine wildromantische Heimfahrt und ich bewunderte den Intha Ruderer der uns sicher zu dem Kloster zurĂŒckbrachte wo die Familien ĂŒbernachten sollten. Als AuslĂ€nder durfte ich nicht in dem Kloster ĂŒbernachten und so suchte ich mir eine Hotel in Nyaung Shwe. Groß war die Überraschung als ich entdeckte dass das Hotel von einem französischen BĂ€cker geleitet wurde der spontan bereit war meine Truppe fĂŒr den nĂ€chsten Tag mit ofenfrischen Croissants zu versorgen.

Meine Freunde hatten die frĂŒhen Stunden genutzt um von den heißen Quellen am Inlesee zu profitieren, und Croissant gestĂ€rkt ging es nun auf nach Taunggyi, wo wir einen VergnĂŒgungspark mit einem kleinen Zoo besichtigten. Die Kinder erfreuten sich vor allem an den BĂ€ren. Mir taten die Tiere eher leid; denn von artgerechter Tierhaltung war man hier Meilen entfernt. Aber Myanmar hat ja derzeit auch gravierendere Probleme zu lösen. Danach arbeiteten wir uns dann von Pagode zu Pagode weiter Richtung Pindaya, hielten unterwegs in lokalen Restaurants, wo wir fĂŒr wenig Geld gutes und reichliches Essen aufgetischt bekamen. In Pindaya gab es dann das gleiche Ritual wie am Inle See: meine Begleiter durften ins Kloster, ich musste ins Hotel, wo meine Begleiter wieder nicht rein durften/wollten.

Am nĂ€chsten Tag besichtigten wir die Pindaya Höhle mit den hunderten Buddhastatuen und machten uns dann so langsam auf den RĂŒckweg Richtung Mandalay beziehungsweise Mingun. Die Strecke war sehr interessant weil die Strasse eher durch von Touristen nicht bereistes Gebiet fuhr und auch in einem sehr schlechten Zustand war. Als EntschĂ€digung besuchten wir dafĂŒr aber einige wenig bekannte Highlights, wie etwa einen kristallklaren blauen See, einen Wasserfall sowie weitere sehr schöne unbekannte Pagoden.

Ich glaube wir alle haben die drei Tage genossen und der Abschied am Abend fiel mir sehr schwer. Die beiden Kinder sind sehr, sehr lieb, aber auch sehr unterschiedlich. Phyo Khant ist ein sehr aufgeweckter kleiner Bursche, der sich fĂŒr alles Neue interessiert und nach zwei Tagen meine Kamera beherrschte. Ich weiß nicht ob das damit zu tun hat, dass er schon in den Genuss des neuen pĂ€dagogischen Models kam, welches der Förderverein in Mingun einfĂŒhrt. Aber jedenfalls ein Bursche mit dem man Pferde stehlen kann. Hla Ya Min ist hingegen eher schĂŒchtern und wirkte immer etwas verlegen wenn ich irgendwas fĂŒr die Leute kaufte oder etwa das essen bezahlte. Der dreitĂ€gige Ausflug hat sicherlich viel Spaß gemacht, aber leider hat er uns auch wenig Zeit gelassen miteinander zu reden und ich hĂ€tte gerne viel, viel mehr ĂŒber die Leute erfahren. FĂŒr meinen nĂ€chsten Besuch werde ich sicherlich versuchen meine spĂ€rlichen Kenntnisse der Landessprache zu verbessern.

Mein letzter Tag in Mandalay war Lin Phyo gewidmet. Ich traf mich mit ihm in der Phaung Daw Oo mit den beiden Betreuerinnen Lae Lae und Thandar Thun. Lin Phyo ist in der Abschlussklasse und freut sich schon auf sein Studium. Ein junger aufgeweckter Bursche der weiß was er will und sehr eifrig beim Studium dabei ist. Sein Interessensschwerpunkt sind Naturwissenschaften und er hat sich dann auch riesig ĂŒber ein Buch ĂŒber das Universum gefreut.

Zusammen mit den beiden Betreuerinnen besuchten wir eine mir unbekannte Pagode unweit der Klosterschule (Lin Phyo vertrĂ€gt Autofahrten schlecht) und besuchten dann ein modernes Einkaufszentrum um gemeinsam koreanisch zu essen. FĂŒr uns alle eine Entdeckung. Am Nachmittag machten wir dann noch einen Rundgang durch die Phaung Da Oo Schule.

Die Reise hat mich in meiner Überzeugung gestĂ€rkt dass hier vor Ort wirklich gute Arbeit geleistet wird und ich werde mich verstĂ€rkt in diese Projekte investieren. Ich freue mich schon auf meinen nĂ€chsten Besuch in Myanmar, werde mir dann aber mehr Zeit nehmen um mit den Kindern zu reden.

Januar 2017 Claude Beffort